Was ist Meditation?

Meditation heißt für mich „Leben üben“

Wir verbringen unser ganzes Leben damit, uns von uns selber abzulenken und vor uns und unseren Problemen davonzulaufen. Wir sind ständig in Bewegung, finden endlose Quellen der Berieselung und selbst wenn wir über uns selber und unser Leben reflektieren, tun wir das meist mit unseren Gedanken in der Vergangenheit („Ich bin so, weil mir damals das passiert ist“) oder in der Zukunft („bald werde ich mich ändern“). Aber das hilft uns alles nicht jetzt und hier.

Zen-Meditation bedeutet, einfach nur zu sitzen. Das hört sich zunächst simpel an, aber das ist es nicht. Es bedeutet nämlich, dass uns nichts bleibt als wir selbst. Wir lassen es zu, Stille zu erfahren und in dieser Stille unserer wahren Natur zu begegnen. Es ist bemerkenswert, wie häufig auch nach langer Zeit regelmäßigen Meditierens es Tage gibt, an denen man einfach nicht zur Ruhe kommt, an denen einen Gedanken wie „eigentlich müsste/sollte/könnte ich jetzt etwas anderes machen“ plagen. Oder aber der Körper wehrt sich mit Unruhe, Schmerzen, Verspannungen, einem juckenden Ohr. Es kann sehr anstrengend und ungemütlich sein, nur mit sich selbst zu sitzen.

Meditieren bedeutet, das Leben zu erfahren, es wirklich zu erleben und sich selbst als das wahrzunehmen, was man ist, ohne jegliches Extra. Und es bedeutet auch, vorurteilsfrei anzunehmen was ist, sei es ein juckendes Ohr, ein Schmerz im Rücken oder eine unstillbare Gedankenflut. Wenn wir das nicht tun, wenn wir mit dem Hadern, was ist, heißt das, dass wir unser Leben nicht annehmen. Denn genau so, also z.B. als wir mit einem juckenden Ohr, manifestiert sich unser Leben in diesem Moment. Beim Meditieren lernen wir, alles so anzunehmen, wie es ist, und es dann – weil wir es annehmen – loslassen zu können.

Mit unseren Gedanken sind wir ständig in der Vergangenheit oder der Zukunft, aber was ist überhaupt Vergangenheit, was Zukunft? Vergangenheit und Zukunft sind genau genommen nichts weiter als Gedanken im Jetzt. Wenn man sich das einmal klar macht, wird es sehr viel leichter, diesen Gedanken nicht so viel Bedeutung zuzugestehen. Wir sind JETZT, immer und nur JETZT und HIER. Diesem Zustand des Seins öffnen wir uns, wenn wir meditieren. Das ist keine Weltflucht oder eine Abkehr vom Leben, sondern das genaue Gegenteil. Es ist Leben in der reinsten und intensivsten Form.

Beim Meditieren schulen wir unsere Aufmerksamkeit, wir lernen, wieder wirklich wahrzunehmen und zu erleben, anstatt zu interpretieren. Wir versuchen in unserem Leben ständig, alles in Boxen zu packen und mit Namensschildern zu versehen, weil wir uns nur sicher fühlen, wenn wir eine generalisierte Wirklichkeit kreieren, in deren Grenzen wir alle uns sicher und standardisiert bewegen können.

Im Zustand der Meditation öffnen wir sozusagen diese Boxen und reißen die Namensschilder ab, um zur wahren Natur zurückzukehren. Wir lassen uns ein auf die Empfindungen und Sinneswahrnehmungen unseres Körpers.

Indem wir lernen, uns genau zu beobachten und uns Raum zu geben, unser wahres Selbst wahrzunehmen, können wir festgefahrene Muster und Reaktionsmechanismen besser erkennen und durchbrechen.

Viele glauben, beim Meditieren ginge es darum, das Denken zu stoppen. Das ist aber natürlich ein kaum zu erreichendes Ziel. Vielmehr versucht man, Abstand zu den eigenen Gedanken und Problemen zu finden und sich selbst sowie alles um einen herum wirklich als das wahrzunehmen, was es ist, anstatt es durch den Schleier der eigenen Vorstellungen, Konzepte, Interpretationen, Werte und Ängste zu sehen. Allein dadurch kann man viele Probleme und Selbstzweifel auflösen.

Beim Meditieren üben wir Leben, Sein in der reinsten Form, ohne jede Ablenkung. Je regelmäßiger wir uns in diesen Zustand begeben, desto häufiger können wir auch jenseits des Kissens in unserem Alltag in die echte unmittelbare Erfahrung des Jetzt eintauchen. Wir lernen mehr und mehr, wach und aufmerksam jeden Moment wirklich wahrzunehmen, anstatt unser Leben zu verträumen, und das ist eine große Bereicherung.

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Siddhartha Gautama Shakyamuni Buddha

Buddha wurde um 560 v. Chr. als Sohn einer Fürstenfamilie am Südrand des heutigen Nepal nahe der damaligen Stadt Kapilavastu geboren.
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Die Familie gehörte zum Geschlecht der Shakyas und zur Linie der Gautamas, woher sein Name Siddhartha Gautama Shakyamuni kommt.

Die Legende besagt, dass seine Geburt in einer Vollmondnacht von besonderen Zeichen begleitet war, und dass seine Eltern folgende Prophezeiung erhielten: “Wenn der Junge nicht mit den Leiden der Welt in Berührung kommt, wird er ein großer Herrscher werden und all eure Wünsche erfüllen. Sollte er aber das Leid-bringende aller bedingten Zustände wahrnehmen, wird er euch verlassen und eine ganz neue Dimension in die Welt bringen.”

Die Eltern, die ihn zu einem König machen wollten, beschlossen daraufhin, ihn innerhalb des Palastes in einer künstlichen Welt großzuziehen, in der es nur Jugend, Schönheit, Vergnügen und freudvolle Erlebnisse gab. Er genoss eine umfassende Ausbildung in allen Wissenschaften, Künsten und Sport – und als Mitglied der Kriegerkaste auch in der Kampfkunst. In allen Disziplinen glänzte er schon als Kind durch hervorragende Begabung. Bei seinen wenigen Ausflügen in die “normale” Welt wurde alles so vorbereitet, dass er nur junge, gesunde und glückliche Menschen sah. Der junge Prinz wuchs in einer Luxuswelt heran. Abgeschottet von den Leiden der Welt genoss er das Leben, heiratete und bekam einen Sohn.

So lebte er bis zu seinem 29. Lebensjahr, als er bei heimlichen Ausflügen die Schattenseiten des Lebens kennen lernte. An drei aufeinander folgenden Tagen sah er einen schwer kranken Menschen, einen Alten und einen Toten. Das alltägliche Leiden der Welt, an das man sich normalerweise ganz allmählich während des Aufwachsens gewöhnt, traf ihn völlig unvorbereitet und erschütterte ihn zutiefst. Er musste plötzlich erkennen, dass weltliche Freuden, Schönheit, Kraft und Jugend bedingt und vergänglich sind.

Am nächsten Tag machte er eine weitere Erfahrung, die sein Leben prägen sollte: Er sah einen Mann mit glücklichem, zufriedenem Gesichtsausdruck in tiefer Meditation sitzen und verstand, dass wirkliche Freiheit nur im eigenen Geist zu finden ist. Zu dieser Einsicht vorzudringen, schien ihm im Rahmen seines gesellschaftlichen Lebens jedoch unmöglich, und er beschloss, sein Prinzen-Dasein aufzugeben. Er schnitt sein langes Haar – das Zeichen seiner adligen Abstammung – und zog hinaus in die Wälder. Er studierte bei angesehenen Lehrern seiner Zeit und übte sich in Meditation. Doch keine der erlernten Methoden oder Lehren konnten ihn jenseits begrenzter, vergänglicher Erfahrungen führen.

Getragen vom tiefen Wunsch nach Erwachen zum Besten aller Wesen, suchte er weiter nach dem richtigen Weg. Schließlich schloss er sich einer Gruppe von fünf Asketen an, die in den Wäldern beim heutigen Bodhgaya lebten. Sechs Jahre lang widmete er sich der Askese in der Hoffnung, durch Entsagung Frieden des Geistes zu finden. Nachdem er als Prinz alle Freuden des Körpers und der Sinne erfahren hatte, glaubte er jetzt, Sinneseindrücke seien ein Hindernis und ihre Unterdrückung führe zu mehr geistiger Klarheit. Er übte sich in völliger Entsagung und hätte sich dabei fast zu Tode gehungert. Schließlich erkannte er aber, dass Askese nicht nur den Körper, sondern auch seinen Geist schwächte und ihn dem Ziel nicht näher brachte. Diese Erfahrung war ein weiterer Wendepunkt in seinem Leben – seine Abkehr von den Extremen. Er erkannte, dass er einen Weg der Mitte finden musste.

Nachdem Siddhartha wieder zu Kräften gekommen war, setzte er sich in den Schatten des bekannten Bodhi-Baumes und schwor, diese Stelle erst dann wieder zu verlassen, wenn er eine absolute Ebene von Erfahrung verwirklicht hätte. So saß er sechs Tage und Nächte in tiefer Meditation. Seine Versenkung war so unerschütterlich, dass weder äußere noch innere Ablenkungen ihn stören konnten. In der Morgendämmerung des siebten Tages wurde er im Alter von 35 Jahren zum Buddha, dem Erwachten. Hass, Begierde und Unwissenheit fielen von ihm ab. Die Erde “als Zeuge für seine vollkommene Erleuchtung” anrufend, berührte er mit den Fingerspitzen der rechten Hand den Boden. Als Statue wird er oft in dieser Erdberührungsgeste dargestellt. Von nun an gab es für Siddhartha weder etwas aufzugeben noch etwas zu erlangen, sein Geist war befreit und er hatte vollkommenen Frieden des Geistes gefunden.
Nach seinem Erwachen hielt Buddha im Wildpark bei Isipatana (dem heutigen Sarnath) nahe Benares vor den fünf Asketen, seinen früheren Gefährten, seine erste Lehrrede und verkündete die Vier Edlen Wahrheiten. Die fünf Gefährten wurden damit die ersten Mitglieder der buddhistischen (Mönchs-)Gemeinschaft (Sangha). Von jenem Tage an lehrte Siddhartha 45 Jahre lang im Nordosten Indiens den „mittleren Pfad“, zwischen Luxus und Askese, den achtfachen Pfad von Tugend, Meditation und Weisheit, der zum Erwachen führen würde. Dabei sprach er vor Menschen aller Gesellschaftsschichten, vor Königen und Bauern, Ausgestoßenen, Geldverleihern und Bettlern, Heiligen und Räubern. Die Unterscheidungen der Kastenordnungen oder die Verschiedenheiten sozialer Gruppierungen erkannte er nicht an. Der Weg, den er lehrte, stand allen Männern und Frauen offen, die bereit waren, ihn zu verstehen und zu gehen.

Als Buddha im Alter von 80 Jahren in dem kleinen Dorf Kushinagara – nicht weit von seinem Geburtsort – in einer Vollmondnacht an einer Lebensmittelvergiftung starb, sollen seine letzten Worte gewesen sein: “Jetzt kann ich glücklich sterben. Ich habe keine einzige Belehrung in der geschlossenen Hand festgehalten. Alles, was euch nützt, habe ich schon gegeben.” Und zu allerletzt: “Glaubt mir nichts, nur weil ich Buddha bin, sondern prüft, ob es eurer Erfahrung entspricht. Seid euer eigenes Licht.”

Bodhidharma

brachte Zen-Buddhismus von Indien nach China

Bodhidharma war ein buddhistischer Mönch, der im 5. oder 6. Jahrhundert lebte. Er ist bekannt als der erste chinesische Patriarch, welcher Chan-Buddhismus (= später japanisch Zen-Buddhismus) von Indien nach China brachte. Die Legende besagt, dass er auch das erste Training der Shaolin Mönche startete, welches schließlich zur Entstehung des Shaolin Kung Fu führte.

In Buddhistischer Kunst wird Bodhidharma durchgängig als grimmiger Barbar mit weit aufgerissenen Augen und Bart dargestellt. In chinesischen Chan-Texten wird er häufig als der „Blauäugige Barbar“ (碧眼胡:Bìyǎn hú) bezeichnet.

Einige Geschichten über Bodhidharma wurden zu Legenden, die auch heute noch regelmäßig im Zen-Buddhismus zitiert werden.

Foto von Peter Hershey

Dogen Zenji

brachte Zazen als zentrales Element im Zen-Buddhismus nach Japan
Foto von Casey Horner

Dogen Zenji, Gründer der Soto-Zen Schule, wurde am 26. Januar im Jahr 1200 geboren. Im Alter von nur 14 Jahren rasierte er sich den Kopf und schloss sich den buddhistischen Mönchen im Enryaku-ji Tempel auf dem Berg Hiei nordöstlich von Kyoto an. Dieses Kloster gehört zu den bedeutendsten der japanischen Geschichte. Die Mönche dort gehörten der buddhistischen Tindai Sekte des Mahayana Buddhismus an. Allerdings erkannte Dogen Zenji, dass der Tempel auf dem Berg Hiei durch enge Beziehungen zu einflussreichen Leuten dekadent geworden war. Unter den Mönchen herrschte Gier nach Ruhm und Macht.

Enttäuscht verließ Dogen Zenji das Kloster und begab sich auf die Suche nach dem wahren Dharma (der wahren Buddhistischen Lehre). Er besuchte viele Tempel, fand aber nirgendwo einen Lehrer, der ihn überzeugte. Während dieser Zeit erfuhr er viel über die indischen und chinesischen Mönche und Meister aus der Vergangenheit und beschloss, sich auf ihre Spuren zu begeben – in der Hoffnung, mehr über das wahre Dharma zu lernen.

Im Alter von 24 Jahren reiste Dogen schließlich auf der Suche nach dem wahren Weg Buddha´s nach China. Aber auch hier fand er keine Lehrer, die seine reinen Ideale erfüllten. Als er gerade wieder nach Japan zurückkehren wollte, traf er Nyojo Zenji auf dem Berg Tendo. In diesem Tempel lag der Fokus der Mönche auf dem intensiven Praktizieren von Zazen.

Dogen Zenjin hatte endlich gefunden, wonach er suchte. Er schloss sich diesem Tempel an und verschrieb sich vollkommen dem Zazen. Als er schließlich nach Japan zurückkehrte, brachte er keine buddhistischen Sutras mit, wie so viele andere reisende Mönche. Das Einzige, was Dogen Zenji mit sich brachte, war die vollkommen von ihm verinnerlichte Lehre des Shikan-Taza („einfach nur sitzen“). Als er von den japanischen Mönchen gefragt wurde, was er aus China mitgebracht habe, antwortete er: „Ich komme mit leeren Händen zurück.“ Die Mönche fragten: „Was hast du gelernt?“ Dogen Zenji´s Antwort war: „Die Augen sind waagerecht, die Nase ist senkrecht“.

Zurück in Japan widmete er sich ganz der Praxis und Lehre des Zazen. Im Jahr 1243 verließ Dogen Zenji Kyoto und im Jahr 1244 bezog der den Tempel Daihonzan Eiheiji in den Bergen, wo er 1253 mit 53 Jahren erkrankte und starb.